Viele Kinder-Apps sammeln überraschend viele Daten. Dieser Guide erklärt, welche Daten gesammelt werden, warum das problematisch ist, und wie du als Elternteil konkret handeln kannst.
Dein Kind spielt seit Wochen begeistert mit einer kostenlosen App. Sie ist bunt, macht Spaß, enthält keine sichtbare Werbung. Alles gut, oder? Nicht unbedingt. Denn viele Apps, die sich als kindgerecht präsentieren, sammeln im Hintergrund Daten – manchmal deutlich mehr, als für den Betrieb der App nötig wäre.
Dieser Artikel erklärt dir, was tatsächlich passiert, wenn dein Kind eine App öffnet. Nicht um Panik zu machen, sondern damit du informierte Entscheidungen treffen kannst.
Apps können – je nach Berechtigung und Design – eine Vielzahl von Informationen erfassen. Das reicht von harmlosen technischen Daten bis hin zu sensiblen persönlichen Informationen.
Fast jede App erfasst grundlegende Geräteinformationen: Welches Betriebssystem läuft, welche App-Version ist installiert, wie lange wird die App genutzt. Das klingt technisch und unproblematisch – aber in Kombination mit anderen Daten lässt sich daraus ein erstaunlich genaues Profil erstellen.
Viele Apps fragen nach dem Standort, oft mit der Begründung, lokale Inhalte anzeigen zu wollen. Was dabei gesammelt wird, ist oft nicht nur der ungefähre Ort, sondern ein genaues GPS-Protokoll: Wann ist das Kind in der Schule? Wann zu Hause? Welche Route wird täglich genommen?
Wichtig: Standortdaten von Kindern sind besonders sensibel. Sie verraten nicht nur wo dein Kind sich aufhält, sondern auch Routinen, Schulweg und Aufenthaltsorte – Informationen, die in falsche Hände nicht gehören.
Wie lange tippt das Kind auf welchen Bereich des Bildschirms? Welche Level werden gespielt, welche übersprungen? Was wird angeschaut, was sofort weggeklickt? Diese Verhaltensdaten sind für Werbenetzwerke Gold wert – sie verraten Vorlieben, Aufmerksamkeitsspanne und emotionale Reaktionen.
Einige Apps – insbesondere Lern- und Kommunikations-Apps – fragen nach Zugriff auf Mikrofon und Kamera. Sprachassistenten in Kinder-Apps können dabei Gespräche aufzeichnen, nicht nur die direkte Eingabe des Kindes. Das ist rechtlich stark eingeschränkt, wird aber nicht immer korrekt umgesetzt.
Manche Apps wollen auf das Adressbuch zugreifen, angeblich um Freunde einzuladen. Dabei werden oft alle gespeicherten Kontakte übermittelt – also auch deine eigenen Telefonnummern, E-Mail-Adressen und die deiner Freunde.
Die Antwort ist einfach: Weil Daten Geld wert sind. Eine App, die nichts kostet, muss sich irgendwie finanzieren. Es gibt zwei gängige Modelle:
Direkte Werbung: Die App zeigt Werbeanzeigen. Um diese möglichst effektiv zu platzieren, werden Nutzerdaten gesammelt und an Werbenetzwerke weitergegeben.
Datenverkauf: Die gesammelten Daten werden direkt an Datenhändler oder Analysefirmen verkauft. Dabei werden die Daten oft "anonymisiert" – aber echte Anonymisierung ist schwerer als sie klingt, und in der Praxis oft nicht gegeben.
Eine Studie des International Computer Science Institute hat gezeigt, dass fast 60 % der meistgenutzten Kinder-Apps gegen die Datenschutzregeln für Minderjährige verstoßen – durch unnötige Datensammlung oder unzulässige Weitergabe an Dritte.
In Deutschland und der EU schützt die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) alle Personen – Kinder besonders. Für Kinder unter 16 Jahren gilt: Die Einwilligung zur Datenverarbeitung muss von den Eltern erteilt werden, nicht vom Kind selbst.
Das klingt gut, hat aber einen Haken: Viele Apps umgehen das, indem sie einfach keine verlässliche Altersverifikation einbauen. Das Kind klickt "Ich stimme zu" – und schon gilt die Einwilligung als erteilt, auch wenn sie rechtlich unwirksam ist.
Als Elternteil hast du folgende Rechte:
Nicht jede App, die Daten sammelt, ist automatisch schlecht. Aber es gibt Warnsignale, auf die du achten solltest.
Jetzt kommt der wichtige Teil: Was kannst du als Elternteil tun, ohne dein Kind komplett vom Digitalen fernzuhalten?
Sowohl auf iPhone als auch auf Android kannst du nachträglich einstellen, welche Berechtigungen eine App hat.
iPhone/iPad: Einstellungen → [App-Name] → hier siehst du alle Berechtigungen und kannst sie einzeln deaktivieren
Android: Einstellungen → Apps → [App-Name] → Berechtigungen → einzeln verwalten
Faustregel: Wenn eine App funktioniert, ohne eine bestimmte Berechtigung zu haben, braucht sie diese nicht. Deaktiviere alles, was die App nicht zwingend benötigt.
Auf Android-Geräten kannst du ein separates Kinderprofil einrichten. Dieses hat eingeschränkte Berechtigungen, und du kannst genau steuern, welche Apps installiert werden dürfen.
Auf iPhones gibt es die Funktion "Bildschirmzeit" (Einstellungen → Bildschirmzeit → Als Familiengerät konfigurieren), mit der du Downloads einschränken und App-Kategorien sperren kannst.
Bevor dein Kind eine neue App bekommt, lohnt sich ein kurzer Check:
Technik allein reicht nicht. Kinder sollten verstehen, warum Datenschutz wichtig ist – in einer Sprache, die zu ihrem Alter passt.
Für jüngere Kinder (6–9 Jahre): "Manche Apps merken sich, was du machst, damit sie dir mehr Sachen zeigen können. Das ist manchmal okay, manchmal nicht."
Für ältere Kinder (10+): "Daten, die Apps sammeln, können weiterverkauft werden. Jemand anderes weiß dann, was du magst, wie lange du spielst, wo du bist."
Datenschutz ist keine Angstmacherei – es ist eine Kompetenz. Kinder die früh verstehen, wie digitale Dienste funktionieren, können später besser selbst entscheiden, welche Apps sie nutzen wollen.
Geh regelmäßig durch die installierten Apps auf dem Gerät deines Kindes. Alles, was schon länger nicht genutzt wird oder das du nicht einordnen kannst: weg damit. Gelöschte Apps können keine Daten mehr sammeln.
| Was die App tut | Bewertung |
|---|---|
| Sammelt nur technische Daten für den Betrieb | Okay |
| Fragt nach Standort für standortbasierte Funktionen | Akzeptabel, wenn abschaltbar |
| Gibt Daten an Werbenetzwerke weiter | Problematisch |
| Sammelt Daten ohne klare Datenschutzerklärung | Nicht okay |
| Verkauft Daten an Dritte | Nicht okay |
| Hat keinen Standort-/Kamerazugriff und ist transparent | Gut |
Digitale Geräte und Apps sind aus dem Alltag von Kindern nicht wegzudenken – und das muss auch nicht das Ziel sein. Aber als Elternteil kannst du einen großen Unterschied machen: durch das Prüfen von Berechtigungen, das regelmäßige Durchgehen installierter Apps und das Gespräch mit deinem Kind über die digitale Welt.
Du musst kein Technik-Experte sein, um dein Kind zu schützen. Die wichtigsten Schritte sind einfach – und du hast sie nach diesem Artikel in der Hand.