Die DSGVO klingt kompliziert, gibt euch aber starke Rechte. Dieser Guide erklärt, was ihr als Familie wissen müsst – und wie ihr eure Rechte konkret ausübt.
Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist seit 2018 in der EU in Kraft. Sie ist eines der stärksten Datenschutzgesetze der Welt – und sie gilt für euch und eure Kinder.
Das Problem: Die meisten Menschen wissen nicht, welche Rechte sie haben. Und wer seine Rechte nicht kennt, kann sie nicht nutzen.
Dieser Guide ändert das.
Die DSGVO regelt, wie Firmen und Behörden mit persönlichen Daten umgehen dürfen – und gibt euch das Recht, mitzureden.
Ihr habt das Recht, von jeder Firma zu erfahren, welche Daten über euch gespeichert sind. Das nennt man "Auskunftsersuchen" oder "Subject Access Request".
Was ihr erfahrt:
Wie ihr es beantragt: Schreibt eine E-Mail oder einen Brief an den Datenschutzbeauftragten der Firma. Die meisten großen Firmen haben dafür Onlineformulare.
Beispiel: Bei Meta (Facebook, Instagram) könnt ihr unter myaccount.facebook.com → "Deine Facebook-Informationen" → "Deine Informationen abrufen" einen kompletten Datei-Download anfordern.
Frist: Die Firma hat einen Monat Zeit zu antworten. Sie darf die Frist einmal verlängern, muss euch das aber mitteilen.
Ihr könnt verlangen, dass eure Daten gelöscht werden. Das nennt man auch "Recht auf Vergessenwerden".
Wann gilt es:
Was es nicht umfasst: Es gibt Ausnahmen – z.B. wenn die Firma gesetzlich verpflichtet ist, Daten aufzubewahren (Steuerunterlagen, Buchführung).
Wie ihr es beantragt: Schriftlich an die Firma, mit dem Hinweis, dass ihr die Löschung nach Art. 17 DSGVO beantragt.
Wenn falsche Daten über euch gespeichert sind, könnt ihr verlangen, dass sie korrigiert werden.
Beispiel: Wenn eine Firma eine falsche Adresse oder ein falsches Geburtsdatum gespeichert hat.
Ihr habt das Recht, eure Daten in einem gängigen Format (z.B. JSON oder CSV) zu erhalten – damit ihr sie woanders nutzen könnt.
Praktisches Beispiel: Wenn ihr zu einem anderen Streaming-Dienst wechselt, könnt ihr verlangen, eure Playlist oder Nutzerhistorie mitzunehmen.
Ihr könnt der Verarbeitung eurer Daten widersprechen – insbesondere für Direktwerbung oder Profiling.
Besonders wichtig: Das Recht auf Widerspruch gegen Direktwerbung ist absolut. Die Firma muss dem Widerspruch stattgeben.
Für Kinder unter 16 Jahren gilt in Deutschland: Die Einwilligung zur Datenverarbeitung muss von den Eltern erteilt werden (Art. 8 DSGVO). Kinder unter 16 können nicht selbst wirksam einwilligen.
In der Praxis: Viele Apps und Webseiten haben keine echte Altersverifikation. Kinder klicken einfach auf "Ich stimme zu" – und diese Einwilligung ist rechtlich unwirksam, wenn das Kind unter 16 ist. Das bedeutet: Die Datenverarbeitung ist ohne gültige Einwilligung illegal.
Als Elternteil habt ihr das Recht, für euer Kind:
Hier ist ein einfaches Muster, das ihr anpassen könnt:
[Euer Name]
[Adresse]
[E-Mail]
[Datum]
An: [Name der Firma]
Datenschutzbeauftragter
Betreff: Auskunftsersuchen nach Art. 15 DSGVO
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich beantrage hiermit Auskunft nach Art. 15 DSGVO über alle personenbezogenen Daten, die Sie über mich gespeichert haben.
Bitte teilen Sie mir mit:
– Welche Daten gespeichert sind
– Zu welchem Zweck
– Woher Sie die Daten haben
– Ob sie an Dritte weitergegeben wurden
Bitte antworten Sie innerhalb eines Monats.
Mit freundlichen Grüßen,
[Euer Name]
Wenn eine Firma euer Auskunftsersuchen ignoriert, ablehnt oder nicht innerhalb der Frist antwortet, könnt ihr euch bei der zuständigen Datenschutzbehörde beschweren.
Zuständige Behörden in Deutschland: Jedes Bundesland hat einen Landesbeauftragten für Datenschutz. Für Unternehmen mit Sitz in Bayern ist das z.B. das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht (BayLDA).
Für große Firmen wie Meta, Google oder Apple gilt oft die irische Datenschutzbehörde – da viele US-Firmen ihre EU-Zentrale in Irland haben.
Beschwerden sind kostenlos und müssen nicht durch einen Anwalt eingereicht werden. Online-Formulare gibt es auf den Webseiten der Behörden.
Die Datenschutzbehörden haben reale Macht: Sie können Bußgelder verhängen, Verfahren einleiten und Firmen zur Einhaltung zwingen. Das ist kein zahnloser Tiger.
Die DSGVO ist kein Bürokratie-Monster – sie ist ein Werkzeugkasten für euren Datenschutz. Auskunft, Löschung, Widerspruch: Das sind echte Rechte, die ihr nutzen könnt.
Und wenn Firmen nicht mitspielen, gibt es die Datenschutzbehörden. Die Beschwerde kostet nichts und kann viel bewirken.